Der Bischof und die „Zeichen der Zeit“

2009

Im Rahmen einer Visitationsreise im Dekanat Cloppenburg besuchte Offizial und Weihbischof Heinrich Timmerevers im Jahr 2009 die Katholische Akademie Stapelfeld. Es war der erste Besuch dieser Art in der Geschichte des Hauses. Der Offizial verwies dabei auf die für Stapelfeld charakteristische Atmosphäre der christlichen Gastfreundschaft und Freundlichkeit und rief die zu dieser Zeit 78 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dazu auf: „Arbeitet so, als wenn Christus selbst bei Euch zu Gast sei!“ 

Timmerevers hatte mit der Bildungseinrichtung schon früh Bekanntschaft gemacht. Der in Nikolausdorf bei Garrel geborene spätere Weihbischof und heutige (seit 2016) Bischof von Dresden/Meißen hatte seine erste Begegnung mit dem „Christ-Königs-Haus“ im Jahr 1967: „Als 15-jähriger war ich dort zu einer Lektorenschulung.“

1975 nahm er dann an einem von Wilfried Hagemann mitgestalteten Osterwochenende in Stapelfeld teil. Intensiver wurde der Austausch, als er Pfarrer in Visbek wurde: „Es gab ein gemeinsames Projekt zum Thema ,Tauferneuerung‘ im Vorgriff auf das ,Heilige Jahr 2000‘.“ 

Als bischöflicher Offizial in Vechta (2001 – 2016) lag ihm „sehr viel an der Weiterentwicklung der Akademie, nicht nur, was die baulichen Gegebenheiten betraf, sondern auch die inhaltlichen und strukturellen Fragen.“ So sei unter anderem das dreifache Leitungssystem – geistlich, pädagogisch, wirtschaftlich – eingeführt worden, und auch die inhaltlichen Schwerpunkte wurden neu gesetzt.“ Es ging um die Frage, „wie wirkt die Akademie in die Gesellschaft hinein, welche Orientierungshilfen können von ihr ausgehen – und wie können gleichzeitig auch Gesellschaft und Politik in die Kirche hineinwirken?“.

Stapelfeld, das sei für das Offizialat auch immer ein finanzieller Faktor gewesen, „denn so eine Einrichtung kann sich nicht von alleine tragen.“ Die dafür eingesetzten Kirchensteuermittel seien aber gut investiert, denn „die Akademie ist nicht nur gut für die Kirche, sondern für das gesamte Oldenburger Land.“ 

Ähnlich wie die Stapelfelder Akademie im Oldenburger Land, so Timmerevers, sei auch in Sachsen das sogenannte „SachsenSofa“ auf dem Weg, um Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und politischen Lebens mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu bringen. Es handelt sich dabei um eine Initiative der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen und der Evangelischen Akademie Sachsen gemeinsam mit weiteren gesellschaftlichen Akteuren. „Wir suchen den Dialog mit den Menschen vor Ort“, so Timmerevers. Unter anderem gehe es dabei um die Zukunftschancen junger Menschen; so finden zum Beispiel im „SchulSachsenSofa“ vor Ort in den Schulen Diskussionen und Workshops von Schülerinnen und Schülern mit Fachleuten und Politikern statt.

Dabei gehe es auch immer um die Grundwerte der Demokratie und die Frage, wie sich Christen in die Politik einbringen können: „Wir müssen die Zeichen der Zeit verstehen und als Kirche offen sein für das, was die Menschen bewegt.“ Dies sei auch ein Element, das Stapelfeld auszeichne: „Menschen suchen und fragen: Wo ist der Raum, wo können wir uns einbringen und auch Orientierung finden. Und wo ist zugleich der christliche Geist spürbar!“