„Der Weltenplan ist aufgeschlagen“

1978/1979

„Uns fehlte im Akademiegebäude eine Kapelle als Gebets- und Andachtsraum“, erinnert sich Dr. Wilfried Hagemann. Die Ideen dazu kamen vom mit dem Umbau des früheren Kinderheimes beauftragten Architekten Ludger Sunder-Plassmann. Dazu gehörten die runden Bänke rund um den Altar und auch, einen alten Mühlstein aus dem Oldenburger Land zum Altartisch zu machen“. 

Die eindrucksvolle kleine Kapelle erhält ihre besondere Prägung durch das Altarbild des bis heute der Akademie verbundenen Künstlers Egbert Verbeek aus Bonn. Hagemann kennt die
Entstehungsgeschichte: „Mein Freund Klaus Hemmerle – seit 1975 Bischof von Aachen – machte mich auf einen jungen Künstler aufmerksam, der unbedingt nach einer künstlerischen
Heraus­forderung suchte“.

So sei der damals gut 20-jährige Egbert Verbeek zu einem Wochenende nach Stapelfeld gekommen und habe die Leitung des Hauses mit seinen Vorstellungen begeistert. Und auch mit seiner Spontanität, denn er sei später während seiner Arbeiten am Altarbild kurzerhand in den Kirchturm der Stapelfelder Kirche hochgeklettert, um die durch einen Sprung beeinträchtigte Glocke durch einen übergestülpten Kartoffelsack stillzulegen.

Die damalige Heimvolkshochschule schloss einen Jahresvertrag mit dem Künstler ab, der ab 1978 ein Triptychon als Altarbild für die Kapelle anfertigen wollte, das auf den beiden beweglichen Seitenteilen beidseitig mit Bildern bestückt wurde. Der damalige Stapelfelder Dozent und Kunstgeschichtler Dr. Willi Real hat diese Arbeiten begleitet und sie in einer ausführlichen Beschreibung des Werkes gewürdigt. 

Verbeek, der bei der Ausarbeitung unter anderem auch durch Studenten aus Vechta begleitet wurde, habe sich immer wieder der Diskussion und der Kritik gestellt; auch dies sei in die Arbeit eingeflossen. Letztlich, so Real, stünden wir mit diesem Altar, den man aufmachen könne, vor einem „Buch der Geschichte. Der Weltenplan ist vor uns aufgeschlagen, das Werden der Welt und somit der Erde beginnen in der Anwesenheit Gottes!“

Vom Künstler Verbeek stammt im Übrigen auch der eindrucksvolle „Stapelfelder Kreuzweg“ neben der Heilig-Kreuz-Kirche aus den Jahren 1988/89. Der Leidensweg Christi wird hier auf drei Stationen verdichtet. Doch dazu später noch einmal mehr!