Welche Bedeutung hat das Kreuz heute? 90 Jahre nach dem Kreuzkampf
An ein einzigartiges historisches Ereignis wird in diesem Jahr in verschiedenen Veranstaltungen erinnert: Der Kreuzkampf vor 90 Jahren. Im November 1936 ordnete die NS-Landesregierung an, sämtliche religiöse Symbole aus staatlichen Gebäuden zu entfernen. Da dies bedeutet, dass auch die Kreuze aus den Schulen verschwinden müssen, kam es zu immer lauter werdenden Protesten in der katholisch geprägten Region des Oldenburger Münsterlandes. Am 18. November 1936 versammelten sich daraufhin mehrere Tausend Menschen in der Cloppenburger Münsterlandhalle, in der Gauleiter Carl Röver sprechen sollte. Die aufgebrachte Menge schrie den Redner nieder. Aufgrund dieser massiven Proteste kapitulierte Carl Röver vorerst und nahm den Erlass des Ministeriums teilweise zurück, sodass die Kreuze in den Schulen verbleiben durften.

Foto: Willi Rolfes (KAS)
Zum Gedenken an dieses historische Ereignis lädt die Katholische Akademie Stapelfeld zu einer Veranstaltungsreihe ein, die sich im Rahmen einer Sonntagsmatinee mit dem Thema „Kreuzes-Anstöße“ auseinandersetzt. Die Veranstaltungen finden jeweils von 11:15 Uhr bis 12:30 Uhr statt und werden vom Fachbereich „Theologie und Lebensdeutung“ unter der Leitung von Pfarrer PD Dr. Marc Röbel und KAS-Dozentin Stefanie Röhll durchgeführt. Dabei geht es weniger um einen Rückblick auf historische Ereignisse, sondern vor allem um die Frage, inwieweit christliche Impulse und Symbole für die heutige Gesellschaft von Bedeutung sein können. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der von Rechtspopulisten mit Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung Politik gemacht wird. Das ist eine sehr bedenkliche Entwicklung. Wir als Katholische Akademie sehen es im Jubiläumsjahr des Kreuzkampfes als unsere Aufgabe, die Bedeutung des Kreuzes zu thematisieren und konnten dazu international renommierte Referenten gewinnen“, betont Akademiedirektor Prof. PD Dr. Röbel.
Zum Auftakt setzt sich Prof. Dr. Michael Seewald am 25. Januar kritisch mit dem Thema „Die Crux mit dem Kreuz – Über die theologische Bedeutung eines religiösen Zeichens“ auseinander. Der Theologe forscht zu Kriterien des Dogmenwandels in der katholischen Kirche und wurde 2017, im Alter von 29 Jahren, Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Im selben Jahr wurde er als erster Theologe mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet.
Am 15. März geht der Wiener Theologe Prof. DDr. Paul M. Zulehner der Frage nach, in welcher Form „Religionen – Hoffnung für eine taumelnde Welt?!“ sein können. Dabei thematisiert er vor allem die heutige Bedeutung des Kreuzes und der Kreuzesbotschaft in einer von christlichen Traditionen und Symbolen geprägten Gesellschaft.
Am 8. November spricht Prof. Dr. Jan-Heiner Tück, Professor am Institut für Systematische Theologie und Ethik der Universität Wien, zum Thema „Crux. Über die Anstößigkeit des Kreuzes“. Dabei wirft er einen kritischen und nachdenklichen Blick auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen und geht der Frage nach, welche Bedeutung das Kreuz als Symbol in der heutigen Gesellschaft haben kann.
Weitere Termin der Vortragsreihe werden rechtzeitig in der Presse und auf der Homepage der Katholischen Akademie Stapelfeld bekannt gegeben. Die Veranstaltungsreihe ist offen für alle Interessierten. Eine Anmeldung ist erwünscht.