Die Freiheit, „etwas auszuprobieren“

1991

Auf Umwegen hinein in die Akademie? Nun, wir lassen es `mal so stehen, auch wenn es etwas in die Irre führt. Denn Heinrich Siefers Ziel war es von Anfang an, in Stapelfeld anzukommen. Im nahezu benachbarten Lindern-Liener geboren, hatte er früh Kontakt zur Bildungsstätte, machte hier schon nach dem Abitur 1979 ein Praktikum. Seminarbesuche, die Bekanntschaft mit den Dozenten, all’ das stärkte die Motivation, als Berufsziel die Erwachsenenbildung anzustreben. 

Im Rahmen des Studiengangs Erziehungswissenschaften in Hannover (Erwachsenenbildung, katholische Theologie) sammelte er unter anderem in den Semesterferien die ersten Praxiserfahrungen: „Das war damals und wäre auch heute für junge Menschen sehr wichtig; leider haben sehr viele dafür heute nicht mehr die Zeit.“ Und Siefer lernte: Stapelfeld war schon damals über Kunst und Kultur, Theologie und Soziologie „sehr breit aufgestellt“. 

Über Akademiedirektor Dr. Schröder erhielt er nach dem Studium eine erste Stelle beim Offizialat in Vechta, absolvierte eine Ausbildung zum Pastoralreferenten und arbeitete in Bühren und in Lohne – bis ihn 1991 ein Anruf Schröders erreichte: „Dozent Werner Nilles war gegangen, plötzlich war eine Stelle frei!“ Siefer kam – und blieb bis 2025 als Dozent für Theologie und Erwachsenenbildung.

In den ersten Kursen – auch zusammen mit Georg Grote aus Vechta – handelte es sich um das Thema „Alter gestalten“, um eine Einführung in die Bibel für Kinder und Eltern oder um Seminare zur Vorbereitung auf die Erstkommunion. Aber: Von Anfang an war auch das Plattdeutsche im Programm; über Eltern und Großeltern war Siefer die hei­mische Sprache sehr vertraut. Zunächst ging es los mit einer „Plattdüütsch Warkstää“ („Plattdüütsch schnacken un schriewen“), später kamen dann eine „Plattdüütsch Sommerschaule“ (Seminar für Familien) oder „Wiehnacht an‘n Kamin. Riemels un Vertellsels von Advent bit Käonigen“ hinzu. 

Plattdeutsch wurde also ein weiterer Schwerpunkt in der Dozentenarbeit, an der Siefer besonders schätzte, dass man „große Freiheiten hatte, etwas auszuprobieren. Da gab es dann mal einen Versuchsballon – aber es ist selten ein Seminar wegen mangelnder Beteiligung ausgefallen!“ Zudem sei die Verankerung der Dozenten in der Region sehr vorteilhaft gewesen, die Kontakte zu örtlichen Kulturvereinen oder auch zu überörtlichen Institutionen wie Heimatbund und Oldenburgischer Landschaft.

Das alles „hatte schon etwas von einer Traumstelle“, so Siefer, die auch ihn geprägt habe. Beispielhaft sei dabei die Zeit ab 2015 gewesen, als viele Migranten-Familien ins Land kamen. Mit Barbara Kappenberg zusammen wurden da Programme zu ihrer Unterstützung entwickelt und in den Sommermonaten wochenweise um die 100 Personen mit Kindern in Stapelfeld auf­genommen: „Ein buntes, lebendiges Treiben und auch eine wichtige Erfahrung für uns“. Da sei es dann ganz nach dem Motto des Akademie-Mitgründers Bernd Thonemann gegangen: „Den Menschen auf allen Ebenen lebensstark machen!“

Heinrich Siefer ist heute weiterhin auf vielen Ebenen vor allem im Bereich der plattdeutschen Sprache aktiv. Unter anderem kennen ihn viele norddeutsche Radiohörer über die NDR-Sendung: „Dat kannst‘ mi glöven – Plattdeutsche Andachten“. Er ist zudem tätig als Beauftragter für plattdeutsche Verkündigung im Rundfunk im Bischöflich Münsterschen Offizialat.