April 1976
„Bernd Thonemann war der Hauptver‑
ursacher“, sagt Dr. Wilfried Hagemann. Der spätere (ab 1976) Bürgermeister der Stadt Cloppenburg, hatte als Vorsitzender der örtlichen Bildungswerke Anfang der 1970er Jahre die Gründung einer Heimvolkshochschule angeregt. Er wollte die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter der 27 örtlichen katholischen Bildungswerke im Oldenburger Münsterland (die Landkreise Cloppenburg und Vechta) auf bestmögliche Weise fördern. Und Hagemann erinnert sich, dass Thonemann Weihbischof Dr. Max Georg Freiherr von Twickel von dieser Idee begeistern konnte.
Twickel, bischöflicher Offizial in Vechta, saß an den entscheidenden Hebeln, denn es brauchte ja nicht nur die kirchliche Erlaubnis für diese völlig neue Institution, sondern auch die entsprechenden Geldmittel und Gebäude.

Da wurde so manches gedanklich durchgespielt, bis sich die Planenden – und vor allem auch der Kirchensteuerrat – auf Stapelfeld als Standort einigten. Tenor: Das Stapelfelder Kinderheim wird an den Standort Bethen bei Cloppenburg verlegt und neu gebaut, die bisherigen Gebäude werden für die neue Bildungseinrichtung genutzt.
Wilfried Hagemann, 1938 in Duderstadt geboren und 1963 zum Priester geweiht, wurde 1974 zum Gründungsrektor der Einrichtung ernannt und war zudem als Pfarrrektor zuständig für die 1954 geweihte
Stapelfelder Kirche Heilig Kreuz. Bernd Plettendorf aus Münster, seit 1971 Bildungswerkleiter in Cloppenburg, wurde Pädagogischer Direktor. Leider starb er im Alter von nur 40 Jahren kurz nach der Eröffnung der neuen „Heimvolkshochschule Kardinal von Galen“ am 27. Juni 1976.
Da war die neue Einrichtung gerade erst zwei Monate in Betrieb – feierlich eröffnet am 25. April 1976. Bayerns damaliger Kultusminister Professor Hans Mayer hielt den denkwürdigen Festvortrag mit dem noch heute gültigen Kernsatz: „Kirchliche Erwachsenenbildung ist ein Dienst des verantwortungsvollen Christen an dieser Welt und seinen Mitmenschen.“
Der Einweihung vorausgegangen waren zweijährige Umbauarbeiten am bisherigen Kinderheim, das ab 1950 nach den Plänen des Cloppenburger Architekten Ludger Sunder-Plaßmann errichtet worden war. Es entstanden 40 Ein- und Zweibettzimmer, eine Aula, eine Reihe von Unterrichtsräumen, eine kleine Kapelle, eine von Ehrenamtlichen betreute Bibliothek, Küche mit Speisesaal; das Lehrschwimmbecken des Kinderheims wurde zu einem Highlight der Tagungsgäste. Die neue großzügige Parkanlage, in Form eines großen quadratischen Kreuzgangs, schaffte den Raum für Austausch und Weiterarbeit. Eingebunden wurde im Übrigen auch die westlich des Hauptgebäudes liegende religiöse Bildungsstätte – das Christ-Königs-Haus. Es war 1958 errichtet worden und hatte als Exerzitien- und Tagungshaus gedient. Der Stapelfelder Pfarrrektor und die jeweilige Kinderheimleitung hatten diese Bildungsstätte bisher geführt.
Nach dem unerwarteten Tod des ersten Direktors musste ein Nachfolger gefunden werden. Dr. Hagemann erinnert sich: „Die Stelle wurde ausgeschrieben, es gab viele Bewerbungen“. Es wurde Dr. Franz-Josef Schröder aus Münster, auch auf Wunsch des Geistlichen Rektors: „Ich hatte ihn im Franz-Hitze-Haus in Münster kennengelernt – ein sehr guter katholischer Pädagoge, ein Innovator, der auch neue Sachen wagt“.
Gemeinsam mit Schröder sei es dann gelungen, ein Dozententeam zusammenzustellen, dass „sich auch auf die Mentalität der Menschen in der Region einlassen konnte“.
„Als Bildungsort Stapelfeld wurden wir schnell im weiten Umfeld bekannt“
Namen dieser frühen Zeit sind u. a. Schwester Ämiliana Schlieper, Dr. Willi Real, Dr. Heinrich Dickerhoff, Ludwig Beuke oder Marlene Dwertmann: „So gelang es, dass wir als Bildungsort Stapelfeld schnell im weiten Umkreis bekannt wurden!“