Digitale Lebenswelten verstehen: Silke Müller warnt vor den Gefahren im Netz

Stapelfeld. Wie verändert Künstliche Intelligenz die Schule? Welche Rolle spielen TikTok, Instagram, Snapchat und andere soziale Netzwerke im Leben von Kindern und Jugendlichen? Und wie können Eltern und pädagogische Fachkräfte junge Menschen in einer zunehmend digitalen Welt begleiten?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die bekannte Bildungsexpertin und Bestsellerautorin Silke Müller bei ihrem Vortrag „Zwischen TikTok, ChatGPT und Klassenzimmer“ in der Katholischen Akademie Stapelfeld.

Die Veranstaltung war Teil der Festwoche zum 50-jährigen Bestehen der Katholischen Akademie und stieß auf großes Interesse. Zahlreiche Eltern, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte sowie weitere Interessierte waren nach Stapelfeld gekommen, um Einblicke in die digitale Lebenswelt junger Menschen zu erhalten und mit der Referentin ins Gespräch zu kommen.

Künstliche Intelligenz, Social Media und digitale Trends verändern derzeit mit enormer Geschwindigkeit die Art und Weise, wie junge Menschen lernen, kommunizieren und ihre Umwelt wahrnehmen. Während Kinder und Jugendliche sich oft selbstverständlich in digitalen Räumen bewegen, stehen viele Erwachsene vor der Herausforderung, diese Entwicklungen nachzuvollziehen und angemessen zu begleiten. „Unsere Kinder sind digital vernetzt, aber emotional allein“, rief die Referentin dazu auf, mehr wirkliches Interesse an den alltäglichen Erlebnissen, den Freuden und auch großen und kleinen Sorgen der Kinder zu nehmen. „Nehmen Sie ihr Kind einfach mal wieder in den Arm und sagen Sie ihm, wie großartig es ist“, forderte Silke Müller die anwesenden Eltern auf.

Immer wieder zeigte die Bildungsexpertin auf, wie schnell sich digitale Trends entwickeln und welche Herausforderungen daraus für Familien, Schulen und die Gesellschaft entstehen. Mit großer Fachkenntnis und anhand von Beispielen aus den alltäglichen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen zeichnete die Referentin ein besorgniserregendes Bild der aktuellen Entwicklung. So sprach Silke Müller über problematische Inhalte in sozialen Netzwerken, Cybermobbing, Cybergrooming, Desinformation, digitale Manipulation und die Auswirkungen von Algorithmen auf das Informationsverhalten junger Menschen. Dabei machte sie deutlich, welchen Risiken Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind und warnte auch eindringlich davor, Fotos und Video der eigenen Kinder im Netz zu präsentieren. Denn auch scheinbar harmlose Familienfotos können durch KI-Programme von pädokriminellen Netzwerken manipuliert oder für Mobbing missbraucht werden. Sexuelle Belästigung auf digitalen Medien wie Snapchat sei für die Jugendlichen eine alltägliche Erfahrung, so Silke Müller und macht deutlich: „Mir geht es nicht um Verbote, sondern um Aufklärung, um Kinder stark zu machen und ihnen aufzuzeigen, wie man in solchen Situationen reagieren sollte“. Gleichzeitig betonte die Referentin, dass es nicht darum gehe, Angst vor digitalen Technologien zu schüren. Vielmehr gelte es, Kinder und Jugendliche zu befähigen, die Risiken zu kennen und die Chancen von Social Media und Künstlicher Intelligenz verantwortungsvoll und kreativ zu nutzen.

Besonders wichtig war Müller die Botschaft, dass Erwachsene, vor allem Eltern und Lehrkräfte, die digitale Lebenswelt junger Menschen nicht den Algorithmen und Plattformen überlassen dürfen. Stattdessen brauche es Interesse, Begleitung und die Bereitschaft, sich mit den neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Auch in den Schulen müsse es ein verstärktes Bewusstsein für die Problematik geben, so Müller, und forderte mehr Raum für Beziehungsarbeit und geschulte Fachkräfte, die den Kindern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen einzubringen. Die Diskussion machte deutlich, dass es sowohl bei Eltern als auch bei pädagogischen Fachkräften ein großes Bedürfnis nach Austausch und Orientierung zu diesem Themenfeld gibt.

(Sigrid Lünnemann)