„Freie Bahn“ für Deutschlands Bischöfe

März 1979

Mit einer interessanten Nachricht überraschte im Februar 1978 der Vechtaer Weihbischof und Offizial Dr. Max-Georg Freiherr von Twickel die Verantwortlichen der Heimvolkshochschule in Stapelfeld: Vom 5. bis 8. März 1979, so hatten sich die deutschen Bischöfe entschieden, sollte die Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Stapelfeld stattfinden. Zum ersten Mal kamen damit Deutschlands Kirchenführer im Bistum Münster zusammen. Es wurde ein wahrer Kraftakt für die noch recht junge Bildungseinrichtung – und war zugleich ein Zeichen der Anerkennung für die Arbeit, die in den letzten Jahren geleistet worden war.

Aus den erhaltenen Unterlagen lässt sich erschließen, wie intensiv die Vorbereitungen im Vorfeld waren, denn immerhin mussten nicht nur die rund 70 Bischöfe und Weih­bischöfe der damals 22 Diözesen Westdeutschlands und Westberlins untergebracht werden, sondern auch der Troß der Mitarbeiter und Fahrer.

Nicht nur das: Noch immer schwebten die Nachwehen des sogenannten „Deutschen Herbstes“ über solch etablierten Veranstaltungen, die Angst vor terroristischen Angriffen. So war nicht nur die örtliche Polizei mit allen Kräften vor Ort, auch ein SEK-Team kam zum Einsatz.

Welche unerwartete Überraschung dann aber auf das Stapelfelder Team wartete, schilderte im Buch zum 40-jährigen Bestehen Dr. Wilfried Hagemann: Plötzlich kam nämlich der Winter zurück mit hohen Schneeverwehungen und einem ganz plötzlich einsetzenden Tauwetter. Gemeinsam mit Hausmeister Alois Rempe und Verantwort­lichen der Gemeinde Heilig Kreuz fand man die Lösung: Die Stapelfelder Landwirte rückten mit ihren Traktoren an und schafften rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung „freie Bahnen“.

Die Bischofskonferenz mit dem Vorsitzenden Kardinal Höffner aus Köln und mit Münsters Bischof Tenhumberg konnte ungestört tagen. So machte auch Kardinal Joseph Ratzinger aus München, der spätere Papst
Benedikt XVI., die Marienverehrung zum Schwerpunktthema seiner grundlegenden Ausführungen und Kardinal Lorscheider aus Brasilien erhoffte sich Solidarität mit den brasilianischen Christen. 

Die Gottesdienste während der Konferenztage in der Kirche Heilig Kreuz waren durchweg gut besucht, hieß es. Und so hinterließ die Konferenz bei der Bevölkerung, den Mitarbeitern des Hauses sowie auch den beteiligten Chören aus der Umgebung einen nachhaltigen Eindruck. Wilfried Hagemann urteilte im Nachhinein, immer wieder habe er in Stapelfeld solche „Momente der Begegnung mit dem Volk Gottes erlebt, das sich um das Evangelium sammelt und wie selbstverständlich sich für den Nächsten in den Dienst rufen lässt“.