Internationaler Glanz beim Kultursommer

Frank Ticheli dirigierte in Cloppenburg

Ein einmaliges Konzerterlebnis bot sich dem Publikum der Kultursommer-Veranstaltung „Faszination sinfonische Blasmusik“ im Cloppenburger Kreishaus: Dem Niedersächsischen Musikverband war es gelungen, den kalifornischen Künstler Frank Ticheli als Gastdirigenten für sein Projekt „Sommerkurs im Norden“ zu gewinnen. Ticheli zählt zur internationalen Spitze der Komponisten für sinfonische Blasmusik und war viele Jahre als Professor für Komposition in Los Angeles tätig.

Ticheli dirigierte seine eigene Musik nicht nur – er lebte sie. Mit großer Ausdruckskraft führte er das sinfonische Blasorchester durch seine Werke. Diese Orchesterform verzichtet auf Streichinstrumente und eröffnet mit ihrer besonderen Vielfalt an Blasinstrumenten und Schlagwerk ein außergewöhnliches Spektrum an Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten. Auch die von Henning Klingemann, dem musikalischen Leiter des Sommerkurses, dirigierten Programmpunkte loteten das enorme Klangpotenzial der sinfonischen Blasmusik eindrucksvoll aus.

Ein besonderer Moment des Kultursommer-Konzerts: Unter der Leitung von Frank Ticheli sorgt das Waschbrett-Trio für die markanten Rhythmen von „Acadiana“
Ein besonderer Moment des Kultursommer-Konzerts: Unter der Leitung von Frank Ticheli sorgt das Waschbrett-Trio für die markanten Rhythmen von „Acadiana“
Foto: Ulrike Kehrer

Bereits der Auftakt setzte Maßstäbe: Mit „Seatbelts Fastened“ („Angeschnallt“) von Jan Van der Roost lieferte das Orchester einen dynamischen und energiegeladenen Konzerteinstieg. Es folgte Tichelis tiefgründiges und eindringliches „Lux Perpetua“, das für Erinnerung, Hoffnung und Licht steht. Der mehrstimmige Gesang der Orchestermitglieder am Ende des Werkes sorgte für den bewegendsten Moment des Konzerts.

Auch die weiteren Kompositionen entführten das Publikum in ganz unterschiedliche Welten. „Waterfall“ von Gauthier Dupertuis zeichnete sowohl die gewaltige Kraft als auch die malerische Schönheit eines Schweizer Wasserfalls nach. In Tichelis „Fantastic Dreams“ tanzten die Zuhörenden mit den Musen und begaben sich auf eine rasante Reise mit einem fliegenden Teppich. „Havana Nights“ von Randall Standridge vermittelte die feurige, berauschende Atmosphäre eines kubanischen Tanzlokals, während „Shine“ von Julie Giroux zu den geheimen Treffpunkten der Alkoholschmuggler im Amerika der 1920er Jahre führte.

Den schwungvollen Abschluss bildete der Schlusssatz von Tichelis „Acadiana“, einer Hommage an die Kultur der französischsprachigen Bevölkerung Louisianas. Das Werk verbindet die sinfonische Klangwelt mit markanten Waschbrett-Rhythmen und weiteren charakteristischen Elementen der Cajun-Musik. Dass das Orchester diese anspruchsvollen Werke so gekonnt präsentierte, war umso bemerkenswerter, als den 75 Musikerinnen und Musikern dafür weniger als vier Tage gemeinsamer Probenzeit in der Katholischen Akademie Stapelfeld zur Verfügung standen. Aus ganz Deutschland und der Schweiz waren sie angereist, um unter der Leitung von Ticheli und Klingemann zu einem geschlossenen Klangkörper zusammenzuwachsen. Wie eindrucksvoll dies gelang, zeigten die lang anhaltenden Standing Ovations des begeisterten Publikums.