Kunst: „Medium der Lebensdeutung“

1987

„Gold als Himmelsfarbe“, so erinnert sich Dr. Martin Feltes, so hieß sein erster Vortrag, den er an der damaligen Heimvolkshochschule in Stapelfeld hielt. Nachdem Dr. Real im Oktober 1987 zum Umwelt­ministerium nach Hannover gewechselt war, übernahm der aus Rheinberg/Niederrhein stammende Feltes die Leitung des Fachbereiches musisch-kulturelle Bildung. Feltes hatte an der Hochschule Aachen Kunstgeschichte, Baugeschichte und Philosophie studiert. Dann ging es schnell: „Gerade als ich meine Promotion eingereicht hatte, fand ich in der Wochenzeitung ,Die Zeit‘ die Stapelfelder Stellenanzeige: ,Kunsthistoriker gesucht‘.“ Wie heißt es heute so schön: „Der Rest ist Geschichte“.

Eine schöne Geschichte, möchte man ergänzen, denn Feltes blieb der Bildungseinrichtung fast 35 Jahre treu. Erst als Dozent, später dann auch als stellvertretender Direktor (1998) und von 2018 bis 2022 als Pädagogischer Direktor. 

„Ich kenne kein Haus“, so erinnert er sich, „das damals so stark von Kunst und Kultur geprägt war.“ Schröder und Real hätten die große Bedeutung von Kunst und Kultur „als Medium der menschlichen Lebensdeutung“ erkannt: „Und auf dieser Grundlage konnte ich sehr gut weitermachen.“

Was noch hinzukam: Feltes Herkunftsregion am Niederrhein war ganz ähnlich geprägt wie auch das Oldenburger Münsterland: „Die Südoldenburger sind doch eigentlich die Rheinländer des Nordens.“ Und so wurde Cloppenburg für die Familie Feltes zur Heimat; er selbst engagiert sich bis heute intensiv im Cloppenburger Kulturleben. So war er lange Jahre Vorsitzender des Cloppenburger Kunstkreises. Bei der Gründung der Cloppenburger Kunsthalle, des Kulturforums, des Kulturbahnhofs gab er wesentliche Impulse.

Schröder stellte den jungen Kunsthistoriker ganz zu Beginn im Frühjahrsprogramm 1988 der Heimvolkshochschule wie folgt vor: „Im neuen Programm ist er mit mehreren Ausstellungen – z. B. unter dem Thema ,Adams Kinder sind wir alle‘ – und mit Vorträgen und Seminaren vertreten, die ich Ihrer besonderen Aufmerksamkeit empfehle.“ Höflich – und etwas zurückhaltend: Denn immerhin legte Martin Feltes gleich los mit einer mehrteiligen Seminarreihe zur Kunstgeschichte, brachte interessierten Bundeswehrsoldaten am Beispiel „Kunst und Architektur der NS-Zeit“ die Ausdrucksformen des Nationalsozialistischen Regimes näher oder stieg auch in die praktische künstlerische Arbeit ein durch die „Auseinandersetzung mit dem Medium Ton.“ Auf dieser Schiene entstand auch die Freundschaft zu Egbert Verbeek, einem Künstler der ersten Stunde an der Akademie. 

Kunstwerke als Orte ästhetischen Erlebens, der inhaltlichen Auseinandersetzung und auch des Gebetes – das lässt sich in Stapelfeld auch an den vielen Objekten, die im Innen- und Außenbereich zu finden sind, erleben. Man denke nur an die Skulptur von Franz Gutmann vor der Kirche Heilig Kreuz oder an Insa Winklers Bronze­geflecht „Gedanke – Wort – Tat“.

Großes Lob und Anerkennung erhielt Feltes bei seinem Abschied im Mai 2022. Und er selbst bekannte, den „schönsten Beruf der Welt“ gehabt zu haben. Ein kleines „Sahnehäubchen“ gab es dann noch im Jahr darauf, als er feierlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.