Demokratie ist nicht selbstverständlich. Das macht die Politikjournalistin, Autorin und Podcasterin Sally Lisa Starken am Montagabend in der Katholischen Akademie Stapelfeld (KAS) deutlich.
Sie liest aus ihrem Bestseller „Wenn der rechte Rand regiert“ und macht an diesem Abend deutlich, dass es einen dringenden Handlungsbedarf gibt –in der Politik und in der Gesellschaft.
„Bildung bedeutet für uns nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch die Auseinandersetzung mit Fragen, die uns als Gesellschaft beschäftigen“, betonte KAS-Dozentin Laura Kaiser, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Jansen im Rahmen der Jubiläumswoche zum 50jährigen Bestehen der KAS zu dieser Lesung eingeladen hatte.

Foto: Sigrid Lünnemann
Sally Lisa Starken hatte sich für die Recherchen zu ihrem Buch auf den Weg quer durch Deutschland gemacht und kam mit AfD-Wählerinnen und -Wählern und mit Wissenschaftlern ins Gespräch, um zu verstehen, warum Menschen eine rechtsgerichtete und antidemokratische Partei wählen. Sie war in die USA, Polen und Italien unterwegs und ist dort der Frage nachgegangen, wie und warum vormals starke Demokratien ins Wanken geraten und an den rechten Rand rutschen können. Sie war auf der Gedenkfeier von Charlie Kirk in Phoenix und hat überzeugte Anhänger der MAGA-Bewegung zu Hause besucht und dabei festgestellt, dass autoritäre und antidemokratische Entwicklungen zunächst fast unbemerkt beginnen. Auf all ihren Reisen und Gesprächen begegneten ihr immer wieder die Sätze: „So schlimm wird es schon nicht. Bei uns kann das nicht passieren.“ Ein Phänomen, das in der Wissenschaft „die Gefährlichkeit der beruhigenden Selbsttäuschung“ genannt wird, betont die Autorin. Lange bevor rechtsgerichtete Regierungen an die Macht kommen, verschieben sie zunächst Grenzen in der Gesellschaft, in der Sprache und in der politischen Debatte und bereiten so einen besorgniserregenden Wandel vor, der die Demokratie schwächt und angreifbar macht. Auch in Deutschland werden diese Tendenzen spürbar und die Demokratie gerät zunehmend unter Druck. Sally Lisa Starken plädierte eindringlich dafür, die Aussagen und Programme der rechtsgerichteten Parteien ernst zu nehmen. „Dieses Jahr ist eines der wichtigsten. Es werden, vor allem mit der Wahl in Sachsen-Anhalt, neue Weichen gestellt“, warnte die Journalistisch vor einem drohenden Rechtsruck in Politik und Gesellschaft, der zu einer existentiellen Bewährungsprobe für die Demokratie werden könnte. „Der Morgen nach der Wahl kommt. Die Frage ist nur, in welcher Welt wollen wir dann aufwachen?“, so die Autorin.
Sally Lisa Starken setzte an diesem Abend aber auch Zeichen, die Hoffnung machen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Sie machte deutlich, dass es auch einen Weg zurück aus autoritären Entwicklungen gibt. Voraussetzung ist jedoch, dass die Zivilgesellschaft aufwacht und sich aktiv gegen die radikalen und antidemokratischen Strömungen stellt.
Bereits am Vormittag hatte sich die Autorin mit Schülerinnen und Schülern der 8. und 9. Klasse der Gutenbergschule Löningen zu dem interaktiven Workshop „Junge Visionen für eine gerechtere Welt“ getroffen. „Alle waren sehr aufgeschlossen und haben offen über die Themen gesprochen, die sie ganz persönlich bewegen“, betonte die Autorin. Dabei ging es vor allem um persönliche Erfahrungen von Ausgrenzung, Mobbing und Rassismus und die Fragen, wie man als Betroffener oder auch als Außenstehender in solchen Momenten Haltung zeigen kann und wo man sich Unterstützung holen kann.
(Sigrid Lünnemann)