Synodaler Weg und „StreitKultur“

„Die Akademie will den synodalen Weg begleiten“, so hieß es im Herbst 2021. In diesem Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, der nach der Missbrauchsstudie von 2018 begonnen hatte, suchen Bischöfe und Laien im Zentralkomitee der deutschen Katholiken nach Wegen, Machtmissbrauch zu verhindern und die Kirche zu erneuern. In Stapelfeld entstand die Idee, den Prozess mit Informationen und Diskussionsveranstaltungen zu unterstützen.

Die Auftaktveranstaltung im November 2021 stieß auf großes Interesse. Dr. Marc Röbel erläuterte die Hintergründe: Die Rolle der Frau, die katholische Sexualmoral sowie die Frage nach Macht und Gewaltenteilung seien „komplexe Themenfelder, die ein kultiviertes Streiten erfordern“. Gisela Koopmann, Vorsitzende des Familienbundes der Katholiken in Niedersachsen, sah den Synodalen Weg als „letzte große Chance, um Vertrauen zurückzugewinnen“. Sie fühle sich als Frau in der Kirche nicht immer gesehen und verwies darauf, dass die Kirche sich bereits von der Lebensrealität vieler junger Menschen verabschiedet habe.

Im Februar 2022 ging es in einer Diskussion um die „queren Menschen in der Kirche“. Vertreter der Aktion „Out of Church“ stellten die für sie unbefriedigenden Verhältnisse dar. Im Mai war es Weihbischof und Offizial Wilfried Theising, der über Priestertum und Zölibat sprach. Er könne sich sowohl verheira­tete als auch ehelose Priester vorstellen. Es sei „sinnvoll, von Grund auf zu fragen, ob wir Priester brauchen. Ich glaube nicht, dass wir am Ende sagen: Wir brauchen keine Priester. Aber die Diskussion darüber kann dazu beitragen, Priestersein besser zu verstehen.“

„StreitKultur“, so überschrieb die Akademieleitung das Jahresprogramm 2022 – und erfasste damit nicht nur die innerkirchlichen Diskussionen, sondern auch die sich grundlegend verändernde Weltlage. Denn mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022 sahen sich die Bildungsplaner mit der Frage konfrontiert: „Was kann eine Bildungseinrichtung wie unsere gegen die großen Krisen unserer Zeit ausrichten?“ Übungs- und Lernraum könne sie sein, so eine Antwort, „um uns kultiviert über kon­troverse Themen auseinanderzusetzen.“ 

Ganz in diesem Sinne gab es dann bereits im Sommer 2022 ein fünftägiges Familienseminar für 60 aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Davor schon hatte Stapelfeld seit 2015 jeweils im Sommer Seminare für Geflüchtete abgehalten. In diesem Fall gab es grundlegende Hinweise auf die Unterstützung für Familien, medizinische Versorgung, arbeitsrechtliche oder schulische Fragen. Am Ende folgte das Lob: „Für uns gab es in fünf Tagen mehr Informationen als in den vorhergehenden fünf Monaten.“

„Sterben in Würde, aber wie“ – im Februar 2023 griff die Akademie erneut ein aktuell diskutiertes Thema auf. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Thema Sterbehilfe mit dem Tenor, „dass Suizid zum Grundrecht des Menschen auf Selbstbestimmung gehört“, ging es um die Frage: „Sterben in Würde – aber wie?“ Silvia Breher, CDU-Bundestagsabgeordnete, hatte den Anstoß zu diesem Vortrags- und Diskussionsabend gegeben, der aus unterschiedlichen Perspektiven auch die Frage nach dem assistierten Suizid behandelte.